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Das Konzept der Wald- und Naturpädagogik

Die Wald- und Naturpädagogik ist ein pädagogischer Ansatz, der sich in den
70er-Jahren aus der Praxis heraus entwickelt hat.

Ziel dieser Reform war es, den Kindern den Lebensraum Natur näherzubringen.

Das Arbeiten mit der Wald- und Naturpädagogik bedeutet das Üben von Selbsteinschätzung durch eine „unfertige“, nicht vorgefertigte Umgebung, wie z.B. balancieren auf Baumstämmen, transportieren von unterschiedlichen Materialien.

Mit den vielfältigen und reichlichen Angeboten an Materialien unserer Natur wird die Kreativität der Kinder angeregt.

Wir erleben den Jahreskreis (Frühling, Sommer, Herbst und Winter) und die Veränderungen in der Natur „hautnah“ durch das Spielen im Freien.

Unsere pädagogische Haltung entspricht einem rücksichtsvollen und achtsamen Umgang mit der Natur, mit Tieren und Pflanzen, dem einzelnen Menschen und der Gruppe. Dies leben wir den Kindern täglich vor und geben ihnen die Möglichkeit, es selbst im Alltag spielerisch zu erlernen.

Durch die ruhige Umgebung in der Natur können sich die Kinder intensiv dem Spiel widmen.

Ein Schwerpunkt liegt im Freien Spiel. Diese Form des Spielens wird im Naturraum als höchste Lernqualität und zugleich Methode verstanden. „Spielen und Lernen sind keine Gegensätze […]. Freie Spielprozesse sind immer auch Lernprozesse […].  Das Spiel ist die elementare Form des Lernens“ (BayBEP 2013, S.19).

Da vorgefertigtes Spielmaterial weitgehend fehlt, werden die Kinder zur Sprache angeregt. Miteinander müssen sie klären, was sie spielen und welches Material welche Funktion übernimmt.

Die Wald- und Naturpädagogik basiert auf einem Partizipationsverständnis, indem alle Beteiligten (Kinder, Erzieher, Eltern, Träger) aktive Gestalter und Akteure ihrer Umwelt sind.

Die Kinder gestalten ihre Umgebung selbst, sie sind die Akteure in ihrem Umfeld und sie gestalten ihre Spielsituationen ihren Bedürfnissen entsprechend. Wir Erwachsene fungieren als Begleiter, Lernpartner und Zuhörer. Es geht darum, den Spuren der Kinder zu folgen und nicht gegen ihre Impulse, sondern mit ihnen zu arbeiten. Des Weiteren ermöglichen wir den Kindern einen Ort der Lebensfreude und des Abenteuers, an dem sie alles finden können, was sie für ihre Entwicklung benötigen. Sie bekommen Gelegenheit, ihren Mut zu erproben und treffen auf Erwachsene, die Zeit für sie haben. Unsere Kinder sollen sich selbstständig in unserem abgegrenzten Waldbereich zurechtfinden.

WAS BEDEUTET DIE WALD- UND NATURPÄDAGOGIK FÜR UNSERE PÄDAGOGISCHEN MITARBEITER?

  • Wir möchten das Streben der Kinder nach Eigenverantwortung und Unabhängigkeit unterstützen.
  • Der Wald und die Natur bedeuten für uns, nicht nur die Natur mit offenen Augen zu sehen, sondern auch die Bedürfnisse der Kinder für eine gesunde Entwicklung wahrzunehmen.
  • Das Arbeiten im Wald und mit der Natur erfordert dauerhafte Flexibilität und Offenheit für Veränderungen. Des Weiteren ist es wichtig, neue Blickwinkel und Perspektiven einzunehmen. Beispielsweise durchgehend die Wetterlage und die Gefahren im Wald im Blick zu behalten und angemessen schnellstmöglich darauf zu reagieren.
  • Es ist uns sehr wichtig, neue Wege einschlagen zu können und offen für neue Ideen zu sein.

Gemeinsam mit den Kindern zu planen und ihre Ideen umzusetzen, macht den Tag um ein Vielfaches interessanter und wir Erwachsenen können staunend dabei zuschauen, dass den Kindern die Ideen nicht ausgehen!

WAS BEDEUTET DIE WALD- UND NATURPÄDAGOIK FÜR UNSERE KINDER?

  • Ein Schwerpunkt in der Waldgruppe ist ein rücksichtsvoller und achtsamer Umgang mit der Natur (Tiere und Pflanzen), den einzelnen Menschen und der Gruppe. Das lernen die Kinder spielerisch im Alltag.
  • Die Kinder erfahren und erleben den Jahreskreislauf der Natur mit allen Sinnen. „Die Natur wird dabei zum Motor für entdeckendes, eigenaktives und vernetztes Lernen mit allen Sinnen.“ (Handbuch Naturraumpädagogik/ Anke Wolfram).
  • Sie erfahren, dass unser Leben sowie die Natur dem Gesetz der ständigen Veränderung unterliegt und sie lernen dadurch flexibel zu sein.
  • Bei uns werden für die Kinder bewusst Entscheidungsspielräume erweitert. Sie erfahren die Form der Partizipation und werden aktiv in die Mitgestaltung und –entscheidung von Themen eingebunden. Den Kindern wird selbstständiges Handeln zugetraut und sie werden so zu eigenständigem Denken und Handeln angeregt.
  • Die Kinder können nach dem Morgenkreis im abgegrenzten Waldbereich spielen, untereinander Kontakt aufnehmen und den Tag ihren Interessen entsprechend gestalten.
  • Sie entscheiden sich für ihren Spielort, ihre Spielmaterialien, ihre Spieldauer und ihre Spielpartner immer selbst.

„Es geht im Waldkindergarten nicht darum, den Kindern das Wissen aus Bestimmungsbüchern einzutrichtern, vielmehr sollen die Kinder durch direktes Erleben, Experimentieren und Beobachten in der Natur viele Antworten auf ihre Fragen selbst finden.“

(Waldkindergarten-Kirsten Bickel)

UNSERE WALDREGELN

  • Wir gehen achtsam mit unserer Umwelt, egal ob Menschen, Tiere und Pflanzen um. Wir sind leise, um die Tiere nicht zu erschrecken und spielen ohne unnötig abgerissene Blätter, Äste oder Blumen. Wir töten keine Tiere.
  • Wir essen nur unsere mitgebrachten Speisen aus unserem Rucksack.
  • Wir waschen uns vor der Brotzeit die Hände.
  • Wir fassen keine Knochen, Losungen oder tote Tiere an. Zum genaueren Betrachten holen wir Erwachsene.
  • Wir halten uns in der Sicht- und Rufweite des Erzieherpersonals auf.
  • Wir hören auf das ausgemachte Signal (Pfeife) und kommen dann sofort zum pädagogischen Personal.
  • Bei Erkundungen und Spaziergängen warten wir bei den Haltepunkten aufeinander.
  • Wir nutzen nur ausgemachte Plätze als Toilette.
  • Wir halten uns an die Regeln und Absprachen.

Unser Waldgebiet und seine Funktionsbereiche

UNSER TREFFPUNKT ZUM BRINGEN UND ABHOLEN

Wir treffen uns zur Bringzeit im Garten des Kath. Kindergartens St. Blasius Engetried. Sobald alle Kinder angekommen sind, gehen wir gemeinsam zu unserem Waldplatz. Kommt ein Kind später als zur Bringzeit, wird dieses von den Eltern direkt zum Waldplatz gebracht. Um 12:00 Uhr machen wir uns auf den Weg zurück zum Garten des Kindergartens Engetried. Dort werden die Kinder wieder abgeholt.

UNSER WALDPLATZ

Unser Waldplatz ist nordwestlich in ca. 500 m Entfernung vom Kath. Kindergarten St. Blasius Engetried am Waldrand auf einer Wiese. Darauf befinden sich unsere Schutzhütte und die Materialhütte.

UNSERE SCHUTZHÜTTE

Auf dem Platz befindet sich eine 28 m² große Schutzhütte. An diese Schutzhütte ist eine Komposttoilette angegliedert. Die Schutzhütte dient als Aufenthaltsraum und Lagerraum von empfindlichem Gut wie Bücher, Wechselkleidung, Papier, Stifte und zum Aufwärmen der Kinder und des Personals im Winter und bei schlechten Witterungsverhältnissen. Neben einem Holzofen befindet sich dort für jedes Kind eine Sitzgelegenheit mit Tischen.

UNSERE MATERIALHÜTTE

Zum Lagern von weiteren unempfindlichen Gebrauchsgegenständen (Leiterwagen, Sandelspielzeug, Holz) steht eine weitere kleinere Hütte mit großem Vordach auf dem Gelände.

UNSERE NOTUNTERKUNFT

Bei bestimmten Witterungsverhältnissen wie Sturm, Gewitter, Schneebruch ist es zu gefährlich, sich im Wald aufzuhalten. Darum haben wir neben unserer Schutzhütte eine zusätzliche Notunterkunft. Diese befindet sich im Dorfgemeinschaftshaus in Engetried.

Unsere Gruppe – die Waldwölfe

-Unsere Kindergartenkinder erleben Gemeinschaft-

In unserer altersgemischten Waldgruppe finden maximal 15 Kinder von 3 Jahren bis zum Schuleintritt ihren Platz. Auf dem Waldgrundstück und in den einzelnen Waldbereichen finden die Kinder vielfältige Spielbereiche mit verschiedenen vorgefertigten Beschäftigungsmaterialien, die die unterschiedlichen Entwicklungsbereiche der Kinder ansprechen und fördern.

GEBURTSTAGS- UND NAMENSTAGFEIER

Jedes Kind ist stolz darauf, ein Jahr älter zu werden. Dabei steht das Kind während des ganzen Tages im Mittelpunkt des Gruppengeschehens. Im Abschlusskreis feiern wir gemeinsam ein kleines Geburtstagsfest. Das Geburtstagskind darf sich eine Spielaktion aussuchen. Neben dem Geburtstag feiern wir das Namenstagsfest von jedem Kind. Wir zünden eine Kerze an und singen dazu religiöse Kinderlieder. Die Kinder erhalten ein kleines Geschenk.

SPAZIERGÄNGE

Mit der ganzen Gruppe machen wir Ausflüge an bekannte Plätze in der Natur oder quer durch Engetried. Die Aktivitäten sind hier vielseitig, wie z.B. Schlitten fahren am Rodelberg, Picknick auf der Wiese, Klettern im Wald oder Spielen am Spielplatz.

MAXI-TREFFEN

Um auf die unterschiedlichen Altersgruppen individuell einzugehen, findet einmal wöchentlich ein gemeinsames Treffen der zukünftigen Schulkinder der Waldgruppe mit den anderen Vorschulkindern statt, um Gemeinschaft zu erleben und sich gezielt auf den Schuleinstieg vorzubereiten. Zusätzlich besuchen die Vorschulkinder gemeinsam die Kooperationsstunden an der Grundschule Markt Rettenbach.

TAGESABLAUF

FRÜHDIENST

Der Frühdienst findet im Garten des Kindergartens statt. In dieser Zeit kommen die Kinder an, werden herzlich begrüßt und haben die Möglichkeit, im Garten zu spielen und sich auf den Tag einzustimmen.

 BRINGZEIT

Die Kinder werden am Gartentürchen des Kindergartens abgegeben, wo sie im Garten spielen dürfen. Im Anschluss singen wir gemeinsam ein Begrüßungslied. Danach laufen das Personal und die Kinder gemeinsam zum Waldplatz.

 AUF DEM WEG ZUM WALDPLATZ

Oben angekommen, hängen die Kinder ihre Rucksäcke auf und die Freispielzeit beginnt. Während dieser Zeit können die Kinder nach eigenen Interessen spielen, die Natur erkunden und die Umgebung entdecken.

 MORGENKREIS

Vor Beginn des Morgenkreises waschen sich die Kinder die Hände. Im Morgenkreis schauen wir gemeinsam nach dem Wochentag, dem aktuellen Wetter und klären, welche Kinder heute fehlen. Anschließend besprechen wir Themen, die die Kinder momentan beschäftigen und planen den Tag.

 BROTZEIT

Nach dem gemeinsamen Gebet beginnt die Brotzeit. Die Kinder essen gemeinsam, wobei im Winter die Zeit genutzt wird, um sich in der beheizten Hütte aufzuwärmen und Gemeinschaft zu erleben.

FREISPIELZEIT

In der Freispielzeit bestimmen die Kinder selbst, was sie tun möchten. Sie wählen Spielmaterial, Spielpartner, Spielort und Spieldauer eigenständig aus. Diese Zeit fördert die soziale Kompetenz, das gegenseitige Kennenlernen und das Knüpfen von Freundschaften. Die Kinder erkunden dabei den Wald, spielen am Waldplatz und nehmen an verschiedenen freien Angeboten teil.

 AUFRÄUMEN UND ABSCHLUSSKREIS

Nach der Freispielzeit räumen die Kinder gemeinsam auf. Im anschließenden Abschlusskreis spielen wir Spiele, erzählen Geschichten oder feiern Geburtstage. Dies dient der Reflexion des Vormittags und dem gemeinsamen Abschluss des Tagesabschnitts.

 RÜCKWEG ZUM KINDERGARTEN

Nach dem Abschlusskreis machen sich die Kinder auf den Rückweg zum Kindergarten.

 ABHOLZEIT

Die Eltern holen ihre Kinder im Garten des Kindergartens ab, wo sie diese in einer entspannten Atmosphäre wieder in Empfang nehmen können.