Pfarreiengemeinschaft Markt Rettenbach

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Kapelle Maria Schnee

Die Kapelle Maria Schnee liegt idyllisch am schwäbisch-bayerischen Jakobsweg im Ortsteil Kapelle von Markt Rettenbach. Sie geht zurück auf ein Gelöbnis des Rettenbacher Bauern Johannes Herz. Er versprach während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) der Gottesmutter eine Kapelle, wenn die Pest im Ort innehalten würde. Da tatsächlich die Pestepidemie gestoppt wurde, entstand eine erste Kapelle von 1646 bis 1654. Bald schon war der Ansturm der Wallfahrer so groß, dass eine neue und größere Kapelle gebaut wurde, die 1710 ihre Weihe erhielt. Das Kapelleninnere ist reich an Stuck und figürlichem Schmuck. Das Votivbild der Muttergottes mit ihrem Kind geht auf die ursprünglich 1654 fertiggestellte erste Kapelle zurück.

Beim Patrozinium Maria Schnee wird ein Ereignis gefeiert, das der Legende nach am 5. August 432 in Rom stattgefunden hat: Dort suchte man einen Standort für die Marienkirche „Santa Maria Maggiore“. In der Nacht auf den 5. August fiel mitten im römischen Hochsommer Schnee auf einem der sieben Hügel, auf denen die Stadt Rom erbaut ist: auf dem Esquilin. Dies erkannte man als deutliches Zeichen, dass die Marienkirche genau dort erbaut werden sollte. 

Ursprünglich wurde die Markt Rettenbacher Kapelle „Maria Trost“ oder „Mutter der Barmherzigkeit“ genannt. Erst seit dem 19. Jahrhundert lautet das Patrozinium auf „Maria-Schnee“. Dies dürfte im Zusammenhang stehen mit einer Renovierung im Jahr 1886, wo der „große, schwerfällige, nicht hinpassende Altaraufbau am Hochaltar“ abgebrochen und durch den jetzigen ersetzt wurde. Dieser hat sein Vorbild in der römischen Kirche auf dem Esquilin, „wie er jetzt, Altarbau mit dem wunderthätigen Muttergottesbilde von 2 Engeln in einem großen Rahmen getragen. So ist es in Rom in der Kapelle Maria Schnee in der Hauptmuttergotteskirche Mariae Majorie, Maria Maggiore“ (Pfarrer Hötzel 1886, zitiert nach: Helmut Berchtold, Die Pfarrei Markt Rettenbach).

Innenausstattung

Die beiden Deckengemälde im Langhaus zeigen die Aufnahme Mariens in den Himmel und deren Krönung. Die entsprechenden Feste werden am 15. August bzw. am 22. August gefeiert. Maria wird mit Leib und Seele zum Himmel erhoben. Damit ist sie der erste Mensch, der voll und ganz von Christus erlöst wurde. Als Zeichen, dass sie die „Himmelskönigin“ ist, bekommt sie im zweiten Deckenfresko von ihrem Sohn eine Krone aufgesetzt.

Der Hochaltar von 1718 wird gekrönt vom Gnadenbild von 1654, das aus dem Vorgängerbau übernommen wurde. Zwei Engel tragen dieses Gnadenbild, das direkt über dem darunter liegenden Tabernakel scheinbar zum Himmel emporschwebt. Der Tabernakel besteht aus einer sehr kunstvollen Silberarbeit aus dem Jahr 1709 und zeigt Maria mit Johannes unter dem Kreuz. Die Vorderseite des Antepodiums wurde mit Blattgold bzw. Blattsilber vom Mindelheimer Künstler Erwin Holzbauer gestaltet. 

Sehr eindrucksvoll wirken die im Chor platzierten Apostelfiguren mit dem betenden Christus aus der Ölbergszene. Während ihr Herr und Meister Gott um Kraft angesichts des anstehenden Leidens bittet, fallen die drei Apostel Petrus, Jakobus und Johannes in tiefen Schlaf. 

Die beiden Seitenaltäre wirken angesichts des filigranen Hochaltars sehr kompakt und wuchtig. Sie zeigen Szenen aus dem Leben der Heiligen Familie. Links die heilige Anna mit Jesuskind, das die Weltkugel in der Hand hält. Umgeben sind sie von Maria, Josef und Joachim. Rechts die „heilige Sippe“ mit Maria, Josef und Jesus, außerdem Anna, Joachim, Elisabeth, Zacharias und der Knabe Johannes.  

An der Kanzel befinden sich drei Figuren ohne Attribut, während die Evangelisten, die sich eigentlich dort befinden sollten, seitlich von der Kanzel platziert sind. Am Schalldeckel ist in der goldenen Rahmung das Fuggerwappen angebracht; die Pfarrei St. Jakobus steht unter dem Patronat der Fürsten von Fugger-Babenhausen. Ganz oben der als glänzender Prediger bekannte heilige Nepomuk, von dem sich eine zweite Figur im Chorraum befindet.

Eine nette Besonderheit ist die in der Kapelle untergebrachte Lourdesgrotte, die im Jahr 1886 hier an Stelle der Ölberggruppe angebracht wurde.  

Zwei Mariengebete

Morgengebet

Dein gedenk ich früh am Morgen,
holde Himmelskönigin!
Dir empfehl‘ ich meine Sorgen
Alles, was ich hab und bin.

Mutter, dir ich ganz vertraue,
deine Hilfe ich erfleh‘.
Auf dein liebend Herz ich baue,
in des Lebens Leid und Weh‘.

Meine Sorgen werden Freuden,
wenn ich, Mutter, dein gedenk;
Labsal werden meine Leiden,
Schmerzen mir ein lieb Geschenk.

Wenn ich kindlich zu dir flehe,
zeigst du deine Muttermacht;
wo ich immer geh und stehe,
über mir dein Auge wacht.

Drum will ich stets dein gedenken,
immer dir ergeben sein;
will aufs neu dir heut mich schenken,
dir mein Herz auf ewig weih’n.

Will auf deinen Wegen wandeln,
treu erfüllen jede Pflicht;
immer streben, recht zu handeln,
bis mein Aug‘ im Tode bricht.

Dass, wenn einst die Schatten schwinden,
ich gelang zu deinem Sohn,
und auch dich ich möge finden
an des ew’gen Gottes Thron.

Amen.

Abendgebet

Hilf, Maria, es ist Zeit,
Mutter der Barmherzigkeit.
Du bist mächtig, uns in Nöten
und Gefahren zu erretten.

Denn wo Menschen Hilf‘ gebricht,
mangelt doch die deine nicht.
Nein, du kannst das heiße Flehen
deiner Kinder nicht verschmähen.

Zeige, dass du Mutter bist,
wo die Not am größten ist.
Hilf, Maria, es ist Zeit,
o Mutter der Barmherzigkeit.

Keiner fleht zu dir vergebens,
in den Nöten seines Lebens,
denn du bist zu aller Zeit
uns zu helfen gern bereit.

Was uns mangelt, willst du geben,
was uns drückt, willst gern du heben,
was verwundet, willst verbinden,
was uns kränkt, soll bald verschwinden.

Mutter, du mit eig’ner Hand,
die das Leiden auch empfand, 
allen, die sich recht bestreben,
fromm und tugendhaft zu leben.

Und sich Gott von Herzen weih’n
willst du Trost und Hilfe sein.
Hilf, Maria, es ist Zeit,
Mutter der Barmherzigkeit. 

Amen.